Archiv der Kategorie: Man könnte meinen…

Frühlingsfest

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Man könnte meinen, dass man als Anwohner darüber informiert wird, wenn die Straße, in der man wohnt, mal über‘s Wochenende so aussieht, wie oben… Wird man aber nicht.
In Waltrop kann es daher geschehen, dass man gezwungen ist, einem geisterhaft aufgetauchten Vergnügungspark auszuweichen, der noch nicht da war, als man weggefahren ist. Wenn man wiederkommt, sieht‘s dann wie oben aus.
Übrigens, meine Garage ist hinter dem roten Schirm unter dem „S“ der Sparkasse…
Irgendwie erwartet man, eine Durchsage zu hören wie: „Die Pläne zur Sperrung Ihrer Straße lagen die letzten 5 Wochen im Rathaus aus und das ist ja schließlich nur vierhundert Meter entfernt. Also, wenn Sie sich nicht um Ihre ureigensten Angelegenheit kümmern, kann ich Ihnen auch nicht helfen. Es ist auf jeden Fall völlig unnötig, jetzt so ein Gewese darum zu machen“.
Dem kann ich vollinhaltlich nur zustimmen. Hätte ich mich ja mal kundig machen können. Gibt bestimmt einen, der das vorher weiss. Nur wer? Auf den Plakaten steht davon nix. Nur, dass in der Stadt was los ist. Viel. Super. Finde ich gut.
Ich beklage mich ja auch immer, dass die Stadt verödet. Dem kann man wohl nur mit einem Bier- und einem Würstchenstand Paroli bieten. Und mit einem Riesenrad. Hihi. Iss klar!
Sonst ist ja auch nix los hier. Außer beim Frühlingsfest und beim Weinfest. Beim Parkfestival und beim Oktoberfest. Dann vielleicht noch beim Schützenfest, dass ist aber nur alle zwei Jahre. (Zum Glück!) In den ungeraden Jahren sind dann nur (ca. drei) Schützenfeste in den Bauernschaften. Dann wird aber nicht die Straße gesperrt. Geht auch nicht, sonst könnte der Spielmannszug nicht jeweils vier Tage lang im Kreis über die Straße marschieren. Mit Tschingderassabumm natürlich. Und immer genau dann, wenn ich weg will.
Ach ja: Pyjamaball! Und Oktoberfest.
Das Weinfest geht übrigens auf die jahrhundertealte Weinbautradition hier zurück (oder so) und ist kurz vor oder nach dem Oktoberfest, für das nur der Marktplatz gesperrt wird. Jahaha! Das liegt daran, dass Waltrop an der Mosel liegt und die fließt bekanntlich durch Bayern.
Das Weinfest übrigens taucht ebenfalls genauso aus dem Nichts auf wie das Frühlingsfest und sieht übrigens auch genauso aus. Nur mit Regen.

Umgefahren

Man könnte meinen, man sei als Motorradfahrer wenigstens in und vor seiner eigenen Garage sicher davor, von anderen, insbesondere automobilisierten Verkehrsteilnehmern übersehen zu werden.
Leider handelt es dabei im einen Irrtum…
Gestern hat‘s mich erwischt: Ich stehe mit einem Motorrad vor der Garage, um es anzukicken und zur Arbeit zu fahren. Harmlos und offenbar zu unauffällig.
Ein Mitbenutzer des Garagenhofs kommt durch die Einfahrt reingefahren, lächelt mich freundlich grüßend an, will drehen, um in seine Garage zu kommen und fährt mich um. Nicht viel passiert zum Glück. Nur das Schutzblech verbogen und der Stolz gekränkt, denn ich muss mich unter meinem Motorrad hervorkramen.
„Ich dachte, Sie wären schon weg.“ – „Nicht denken, gucken!“
„Da hinten stand mein Chef. Den wollte ich nicht umfahren.“ – „Schon klar! Verstehe ich voll und ganz. Helfen Sie mir vielleicht, das Motorrad aufzuheben? Nicht? Auch gut. Trotzdem: Danke!“
Die Entschuldigung steht aus.

Einkaufen am Karsamstag

Man könnte meinen, wir sind in der DDR oder in England und es wird wochenlang nichts mehr zu kaufen geben. Der gemeine Waltroper steht vor der Fleischerei vor meinem Haus geduldig Schlange. Wegen Mett. Ist recht günstig da und lecker. Auf dem Weg zum Friseur um 8 Uhr morgens reicht die Schlange bis 10 Meter vor die Tür. Draussen, in der Sonne. Immerhin.
Ich muss aber auch dahin. Wir wollen grillen heute abend.
Beim Friseur: Kein Kunde da. Sind die alle beim Metzger?
Vom Friseur zurück und ca. 1,8 kg leichter – Ich war lange nicht mehr da… – ist die Schlange noch 10 Meter oder 15 Leute lang.
Da fehlt mir die Zeit und Lust für. Also erst zum Bäcker: Kein Kunde da. Ist klar, die sind ja auch alle beim Fleischer.
Danach: Schlange beim Metzger? Immer noch nicht kürzer.
Also erst zum Supermarkt: Kartoffeln, Gurken, Mayonnaise, mehr muss ich nicht kaufen. Kein Kunde im Supermarkt. Sind alle beim Metzger.
Der Marktplatz, die Fußgängerzone. Leer. Alle beim Metzger. Kurze Kontrolle der anderen Metzger-Läden im Dorf: Riesenschlangen davor. Außer beim Öko-Metzger. Interessant.
Tja. Nu will ich aber mein Grillfleisch! Glück gehabt, Nur drei Leute vor dem Laden, ca. 10 sind drin. Jetzt, oder nie! Ich habe ja nicht ewig Zeit, ich muss ja den Kartoffelsalat machen.
Es geht auch recht fix, die Mädels im Laden sind wirklich flott. Grillfleisch, Fleischwurst, Zwiebelmett, € 5,07. Fertig.
Die ältere Dame hinter mir will 3 x 2 kg Mett. In Anbetracht der Tatsache, dass ich schon mal um 9:50 Uhr da war und keines mehr bekommen habe, eine genauso verständliche wie unverschämte Forderung. Sie kriegt maximal drei Kilogramm: „Nur haushaltsübliche Mengen“, sagt die Chefin.
Vielleicht stellt sich die Dame wieder an. Standen nur 20 Leute draussen, als ich rauswollte. Selbst für’s Rausgehen musste ich 30 Sekunden anstehen!