Archiv für den Monat: April 2009

Deutschland im Frühling

2009-02-08_21-07-02„They who can give up essential liberty to obtain a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety.“ – Benjamin Franklin

Wie man oben sehen kann, war ich schon immer dem Widerstand zugetan. Dem Modediktat zuwiderhandelnd trage ich Hüte und Schnauzbärte dann, wenn es man es gerade nicht von einem erwartet. Das macht es schwierig einen passenden Hut zu kaufen. Aber einen Bart kann man sich ja zum Glück einfach wachsen lassen.
Auch und gerade besonders gern sitze ich auf Treppen, bei denen es verboten ist, wobei hier das Verbot zwar sichtbar für den potentiellen Zuwiderhandelnden ist, aber doch recht schwach formuliert. Aber, nun gut. Darum soll es hier eigentlich nicht gehen.
Es geht um etwas anderes. Leider ist das nicht immer so leicht erkennbar, vor allem dann, wenn viel Mühe aufgewandt wird, das, worum es eigentlich geht, benennen zu wollen.
Oder, besser formuliert, man versucht, mit einem „Untauglichen Mittel“ eine „Gute Sache“ zu unterstützen.
Dann wirft man dem Kritiker, der das „Untaugliche Mittel“ untauglich nennt, vor, er sei gegen die „Gute Sache“, gegen die ein „Guter Mensch“ nichts haben kann. Und weil er also durch seine Kritik untauglichen Aktionismus als solchen benennt, muss er ja gegen die „Gute Sache“ sein und ist somit auch kein „Guter Mensch“. Wenn er vorschlägt, man solle doch besser über „Taugliche Mittel“ nachdenken, kann man ihm noch sagen, es ginge hier nicht um „Taugliche Mittel“ sondern man rede schliesslich über „Untaugliche Mittel“. Das sei ja wohl unbezweifelbar besser als gar nichts.
Man fragt sich aber, warum man für die „Gute Sache“ nicht über „Taugliche Mittel“ sondern lieber über die Alternative „Gar nichts“ oder „Untaugliche Mittel“ diskutieren will? Will man also gar keine „Tauglichen Mittel“ sondern eigentlich die „Untauglichen Mittel“? Und warum?
Aber eigentlich geht es hier noch nichtmal um „Untaugliche Mittel“ oder „Taugliche Mittel“. Es geht darum, mit der Verwirklichung der „Untauglichen Mittel“ noch zugleich das Kind mit dem Bade auszuschütten.
Damit wären wir auch endlich beim eigentlichen Thema: Bei Kindern. Und Ihrem Missbrauch für pornographische Darstellungen. Unbezweifelbar fürchterlich und unentschuldbar. Der Kampf dagegen ist genauso unbezweifelbar eine „Gute Sache“, gegen die kein „Guter Mensch“ etwas haben kann.
Der Autor dieser Seiten hält sich für einen guten Menschen (meistens jedenfalls) und ist damit uneingeschränkt nicht gegen den Kampf gegen diese unerträgliche Erscheinung. Er ist unbedingt für die Bekämpfung! Überall, in der „realen Welt“, im Internet und überall sonst. Die Herstellung, der Vertrieb und das Konsumieren von Kinderpornographie muss bekämpft werden. Unbedingt und Erbarmungslos.
Sinnvoll wäre es natürlich, die Herstellung zu verhindern. Wo nichts hergestellt wird, gibt‘s nichts zu vertreiben und nichts zu konsumieren. Ist aber aufwendig, und würde Polizisten davon abhalten, wofür sie eigentlich da sind, nämlich Politiker beschützen, die müssten ja sonst Angst vor bösen Terroristen haben. Oder so. Bringt auch keine Kohle ein, wie Falschparkern Knöllchen zu verpassen oder durch Blitzen von Rasern ordentlich Kasse zu machen. Wobei hier ja der Raser, der 100 km/h zu schnell ist, nicht das Ziel der Aktion ist. Es geht darum, die Masse der 10-km/h-zu-schnell-Fahrer zu kriegen. Bringt mehr. 1000 mal 10 Euro sind halt mehr Geld als 10 mal 500 Euro. Oho, das war jetzt bösartig von mir: Der Erfolg einer solchen Aktion wird ja darin bemessen, auf wie viele Leute erzieherisch eingewirkt werden konnte. Und da sind tausend erst recht viel mehr als zehn. Kann man die zehn eigentlich gleich laufen lassen, die sind eh unbelehrbar.
Gilt die gleiche Argumentation auch für die Hersteller von KiPo? Ich hoffe nicht!
Also durch Abschreckung der Konsumenten die Herstellung nicht lohnend erscheinen zu lassen? Das mag für illegale Drogen vielleicht funktionieren, da die Hersteller „Geschäftsleute“ sind, die den Aufwand zu Herstellung und Vertrieb nicht trieben, wenn keiner die Drogen kaufte. Die machen das ja nicht aus Spaß an der Freude. Das funktioniert aber nicht bei Herstellern von KiPo: Die machen das aus perversem Spaß an der perversen Freude. Soll heissen: die Kinder werden weiter missbraucht, auch wenn es kein anderer sehen will oder – wegen (mal angenommen) funktionierender Sperren – kann. Welche Kinder werden also dadurch geschützt?
Nein, ich will damit nicht sagen, dass man die Konsumenten und Verbreiter nicht bestrafen soll. Sie befriedigen ihre Triebe und ihre Geldgier mit dem Leid der missbrauchten Kinder. Also definitiv nichts, was man gut finden kann. Gehört bestraft – hart!
Stattdessen: Wir filtern das Internet! So wie in China oder im Iran. (Interessant, nicht wahr? Australien, Dänemark und einige skandinavische Länder machen das aber auch. )
Die Regierung weiss sogar, das die ausgewählte Techniken für die Sperren leicht zu umgehen sind. Also ein „Untaugliches Mittel“ – aber besser als gar nichts. Und wir lassen unsere Provider das erledigen. Für die Regierung kostenlos. Wie praktisch. Der Staatsprovider T-Online als Tochter des teilprivatisierten Staatsmonopolisten Telekom vorneweg. Da mögen natürlich auch deren Mitbewerber nicht hintanstehen, schließlich sagt Ursula von der Leyen sonst, die wären keine „Guten Menschen“, da sie ja für KiPo sind, weil sie gegen die „Untaugliche Maßnahme“ sind.
Und so wird eine Sperre aufgebaut, deren Wirksamkeit nicht legal überprüft werden kann, bei der nicht legal unabhängig geprüft werden kann, welche Seiten darauf stehen, und die damit auch keiner rechtsstaatlichen Kontrolle unterliegt. Der Versuch, dies zu tun, könnte ja als Versuch der Beschaffung gedeutet werden. Überprüft werden kann das nur durch eine Hausdurchsuchung. Wird der Grund dafür bekannt, kommt dies der sozialen Todesstrafe des Betroffenen gleich.
Wer – versehentlich oder nicht – auf eine der gesperrten Seiten kommt, bekommt ein „Stoppschild“ gezeigt. Und damit ist ein Anfangsverdacht gegeben, dass derjenige sich KiPo verschaffen wollte. Der Versuch ist strafbar. Also: Hausdurchsuchung.
Erst sollten die Verbindungsdaten der Stoppschild-Seher nicht ermittelt und gespeichert werden. Dann auf einmal doch. Erst auf Anfrage der Ermittlungsbehörden, dann auf einmal vollautomatisch und immer.
Das hätte man ja auch über die Vorratsdatenspeicherung von Verbindungsdaten eh erledigen können. Aber die scheint ja auf juristischem Wege wegen Unzumutbarkeit für die Provider zu kippen. Also? Suchen wir uns dafür ein Thema, bei dem man als Provider nicht wegen Unzumutbarkeit klagt? Weil man kein „Schlechter Mensch“ sein will?
Ist Herr Ziercke vom BKA mit ein paar eindeutigen Bildern zu Fr. v.d.L. gelaufen, weil er Angst hatte, dass sein Bundestrojaner den Marsch durch die juristischen Instanzen nicht schafft? Macht er damit ein Thema auf, bei dem „Gute Menschen“ sich einfach nicht weigern können, der „Guten Sache“ zu dienen?
Der Regierungspräsident von Düsseldorf, Jürgen Bussow, freut sich, dass er die gegen KiPo errichteten Sperren auch gegen illegales Glücksspiel einsetzen kann. Das ist der Mann, der auch Neonazi-Seiten sperren liess. Gut so! Nur wo hört das auf? Heute KiPo, Neonazis, Glücksspiel. Morgen missliebige politische Meinungen? Öffentliche Überprüfung der Sperrlisten? Geht nicht! Der Versuch ist strafbar.
Schon bei der Bekämpfung des illegalen Glücksspiels muss man sich fragen, ob damit nicht das Glücksspielmonopol des Staates geschützt werden soll. Von hier aus ist es nun wirklich nicht mehr weit, die Sperrinfrastruktur für andere mehr oder weniger legitime Interessen des Staates zu nutzen. Ach nee, es ging ja um den Schutz vor der Spielsucht! Wie habe ich das vergessen können? Da kann man als „Guter Mensch“ natürlich nicht dagegen sein!
 Honi soit qui mal y pense.
Ich persönlich bin eigentlich nicht einmal grundsätzlich gegen eine Sperre der KiPo-Inhalte. Es geht mir um die Überprüfbarkeit. Wenn es um Bücher geht, sind wir ja auch nicht dazu verurteilt, tatenlos zuzusehen, wie zweifellos illegales Zeug Verbreitung findet. Da findet jemand ein Buch, das seiner Meinung nach illegale Inhalte hat und geht zur Polizei. Die ermittelt und am Ende geht ein Staatsanwalt zu einem Richter und sagt: „Guck mal, voll illegal!“ – Sagt der Richter: „Jau! Ich beschlagnahme dieses Buch!“ Der Verleger oder der Autor erfährt dies und kann, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, dagegen vorgehen. Und jeder, der sich für das Buch interessiert, kann nachlesen: Das Buch ist verboten, und zwar aus folgenden Gründen: … Dann kann sich derjenige sagen: „Oh, das wusste ich nicht. Dann will ich es auch nicht haben!“
Das ist transparent und rechtsstaatlich. Im Internet brauchen wir das aber nicht: Hier findet ein Beamter (und kein Richter!) etwas mutmaßlich Illegales und setzt es auf die Sperrliste. Überprüfung: Fehlanzeige. Geht nicht! Der Versuch ist strafbar.
Nachtrag:
Meine Meinung hierzu ist im übrigen völlig irrelevant und falsch, ich weiss es nur noch nicht. Wie ein Freund zu mir sagte: „Wenn Du eigene Kinder hättest, würdest Du das anders sehen!“ Da habe ich meinen Irrtum natürlich sofort eingesehen.

Frühlingsfest

2009-04-19_14-52-31
Man könnte meinen, dass man als Anwohner darüber informiert wird, wenn die Straße, in der man wohnt, mal über‘s Wochenende so aussieht, wie oben… Wird man aber nicht.
In Waltrop kann es daher geschehen, dass man gezwungen ist, einem geisterhaft aufgetauchten Vergnügungspark auszuweichen, der noch nicht da war, als man weggefahren ist. Wenn man wiederkommt, sieht‘s dann wie oben aus.
Übrigens, meine Garage ist hinter dem roten Schirm unter dem „S“ der Sparkasse…
Irgendwie erwartet man, eine Durchsage zu hören wie: „Die Pläne zur Sperrung Ihrer Straße lagen die letzten 5 Wochen im Rathaus aus und das ist ja schließlich nur vierhundert Meter entfernt. Also, wenn Sie sich nicht um Ihre ureigensten Angelegenheit kümmern, kann ich Ihnen auch nicht helfen. Es ist auf jeden Fall völlig unnötig, jetzt so ein Gewese darum zu machen“.
Dem kann ich vollinhaltlich nur zustimmen. Hätte ich mich ja mal kundig machen können. Gibt bestimmt einen, der das vorher weiss. Nur wer? Auf den Plakaten steht davon nix. Nur, dass in der Stadt was los ist. Viel. Super. Finde ich gut.
Ich beklage mich ja auch immer, dass die Stadt verödet. Dem kann man wohl nur mit einem Bier- und einem Würstchenstand Paroli bieten. Und mit einem Riesenrad. Hihi. Iss klar!
Sonst ist ja auch nix los hier. Außer beim Frühlingsfest und beim Weinfest. Beim Parkfestival und beim Oktoberfest. Dann vielleicht noch beim Schützenfest, dass ist aber nur alle zwei Jahre. (Zum Glück!) In den ungeraden Jahren sind dann nur (ca. drei) Schützenfeste in den Bauernschaften. Dann wird aber nicht die Straße gesperrt. Geht auch nicht, sonst könnte der Spielmannszug nicht jeweils vier Tage lang im Kreis über die Straße marschieren. Mit Tschingderassabumm natürlich. Und immer genau dann, wenn ich weg will.
Ach ja: Pyjamaball! Und Oktoberfest.
Das Weinfest geht übrigens auf die jahrhundertealte Weinbautradition hier zurück (oder so) und ist kurz vor oder nach dem Oktoberfest, für das nur der Marktplatz gesperrt wird. Jahaha! Das liegt daran, dass Waltrop an der Mosel liegt und die fließt bekanntlich durch Bayern.
Das Weinfest übrigens taucht ebenfalls genauso aus dem Nichts auf wie das Frühlingsfest und sieht übrigens auch genauso aus. Nur mit Regen.

Umgefahren

Man könnte meinen, man sei als Motorradfahrer wenigstens in und vor seiner eigenen Garage sicher davor, von anderen, insbesondere automobilisierten Verkehrsteilnehmern übersehen zu werden.
Leider handelt es dabei im einen Irrtum…
Gestern hat‘s mich erwischt: Ich stehe mit einem Motorrad vor der Garage, um es anzukicken und zur Arbeit zu fahren. Harmlos und offenbar zu unauffällig.
Ein Mitbenutzer des Garagenhofs kommt durch die Einfahrt reingefahren, lächelt mich freundlich grüßend an, will drehen, um in seine Garage zu kommen und fährt mich um. Nicht viel passiert zum Glück. Nur das Schutzblech verbogen und der Stolz gekränkt, denn ich muss mich unter meinem Motorrad hervorkramen.
„Ich dachte, Sie wären schon weg.“ – „Nicht denken, gucken!“
„Da hinten stand mein Chef. Den wollte ich nicht umfahren.“ – „Schon klar! Verstehe ich voll und ganz. Helfen Sie mir vielleicht, das Motorrad aufzuheben? Nicht? Auch gut. Trotzdem: Danke!“
Die Entschuldigung steht aus.

Einkaufen am Karsamstag

Man könnte meinen, wir sind in der DDR oder in England und es wird wochenlang nichts mehr zu kaufen geben. Der gemeine Waltroper steht vor der Fleischerei vor meinem Haus geduldig Schlange. Wegen Mett. Ist recht günstig da und lecker. Auf dem Weg zum Friseur um 8 Uhr morgens reicht die Schlange bis 10 Meter vor die Tür. Draussen, in der Sonne. Immerhin.
Ich muss aber auch dahin. Wir wollen grillen heute abend.
Beim Friseur: Kein Kunde da. Sind die alle beim Metzger?
Vom Friseur zurück und ca. 1,8 kg leichter – Ich war lange nicht mehr da… – ist die Schlange noch 10 Meter oder 15 Leute lang.
Da fehlt mir die Zeit und Lust für. Also erst zum Bäcker: Kein Kunde da. Ist klar, die sind ja auch alle beim Fleischer.
Danach: Schlange beim Metzger? Immer noch nicht kürzer.
Also erst zum Supermarkt: Kartoffeln, Gurken, Mayonnaise, mehr muss ich nicht kaufen. Kein Kunde im Supermarkt. Sind alle beim Metzger.
Der Marktplatz, die Fußgängerzone. Leer. Alle beim Metzger. Kurze Kontrolle der anderen Metzger-Läden im Dorf: Riesenschlangen davor. Außer beim Öko-Metzger. Interessant.
Tja. Nu will ich aber mein Grillfleisch! Glück gehabt, Nur drei Leute vor dem Laden, ca. 10 sind drin. Jetzt, oder nie! Ich habe ja nicht ewig Zeit, ich muss ja den Kartoffelsalat machen.
Es geht auch recht fix, die Mädels im Laden sind wirklich flott. Grillfleisch, Fleischwurst, Zwiebelmett, € 5,07. Fertig.
Die ältere Dame hinter mir will 3 x 2 kg Mett. In Anbetracht der Tatsache, dass ich schon mal um 9:50 Uhr da war und keines mehr bekommen habe, eine genauso verständliche wie unverschämte Forderung. Sie kriegt maximal drei Kilogramm: „Nur haushaltsübliche Mengen“, sagt die Chefin.
Vielleicht stellt sich die Dame wieder an. Standen nur 20 Leute draussen, als ich rauswollte. Selbst für’s Rausgehen musste ich 30 Sekunden anstehen!