Digitalkamera-Akku-Kauf mit Hindernissen…

Da es ja ein weites Feld für Produktfälschungen gerade bei Akkus für Digitalkameras gibt, bin ich recht umsichtig an den Kauf eines Akkus für meine neue Erwerbung, eine Canon Powershot S120, gegangen. Ein Akku vom Typ Canon NB6-LH sollte es werden.

In der Preisliste bei Canon wird eine unverbindliche Preisempfehlung von € 55,00 gegeben. Es gab beim Online-Händler meines geringsten Misstrauens eine Vielzahl von Angeboten. Einige Nachahmer-Produkte mit eigenen Markennamen zwischen € 10,– und 20,– wollte ich nicht, da ich mit solchen Produkten schon schlechte Erfahrungen gemacht hatte (Erhitzung, schnell nachlassende Kapazität etc.). Ich wollte einen Original-Akku…

Es gab ein Angebot für ca. 64 Euro-Dollars, aber das war mir zu teuer. Es gab ein weiteres für ca. 30 inklusive Versandkosten. Dies erschien mir reell. Das Produktbild war zwar klein, aber es prangte deutlich der Schriftzug CANON drauf. Der Preis war zwar niedrig, aber mit dem, was ich über die Händlerspannen im Kamerazubehörbereich kenne, nicht unvereinbar… Also habe ich zugeschlagen…

NB-6LH 2

Was ich dann vom Amazon-Marketplace-Teilnehmer, nennen wir ihn „A“, bekommen habe, sehen Sie oben links (rechts daneben zum Vergleich der Original-Akku). Die Rückseite sorgt dann für noch mehr Vertrauen in das Ding:

NB-6LH 1

Also habe ich das reklamiert. Leider kann man Li-Ionen-Akkus bei Amazon nicht einfach zurücksenden, wegen der Explosionsgefahr…

Ich schreibe an den Händler:

 Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe in einen Original Akku von Canon vom Typ NB-6LH bei Ihnen bestellt.

Stattdessen liefern Sie ausweislich Ihrer Rechnung mit der Nr. XXX 
einen angeblich baugleichen Akku K06LH-O.

Dieser ist ohne CE-Kennzeichen und damit in der EU vermutlich nicht verkehrsfähig und daher möglicherweise eine Produktfälschung.

Ich erwarte von Ihnen die Erfüllung des geschlossenen Vertrages und setze Sie wegen einer Falschlieferung in Verzug. Ich erwarte die Übersendung eines Original-Akkus der Fa. Canon vom Typ NB-6LH und die Rücknahme des falsch gelieferte Akkus K06LH-O.

Sollten Sie bis zum 14.9.2014 keine Ersatzlieferung vornehmen, behalte ich mir ausdrücklich Schadenersatzforderungen vor.

Mit freundlichen Grüßen,
Ludger Hötting

Ich erhalte postwendend noch am gleichen Abend eine Antwort. Man scheint bemüht zu sein, mir weiterzuhelfen:

Hallo,

Sie haben den richtigen Akku erhalten. Das CE-Zeichen ist ausschliesslich für elektrische Geräte, die mit 230 V betrieben werden, notwendig. Es ist bei Akkus nicht erforderlich. Da wir aus Kostengründen nicht permanent die Fotos ändern können - sonst wären die Preise viel höher - passiert es eben, dass vom Foto abweichende, dennoch identische Ware versendet wird.

Unbenommen bleibt ihnen die Wahrung ihres Widerrufsrechts.

Wir erklären, dass der gelieferte Akku den gesetzlichen Bestimmungen und gekauften Artikelmerkmalen entspricht !

Mit freundlichen Grüßen / Kind regards

R.M.
-----------------------------------
<B> GmbH & Co. KG

Ich frage mich kurz, warum ich, wenn ich bei der Firma A reklamiere, eine Antwort von Firma B bekomme, und habe dabei keine positiven Konnotationen. Ich denke daran, dass die wahre Lieferkette verschleiert werden soll. Aber gut. Mit dem CE-Kennzeichen hat R.M. im Übrigen Recht, falls der Akku keine Regelelektronik besitzen sollte, die geeignet wäre, den Funkverkehr zu stören. Ich werde allerdings demnächst bei Canon nachfragen, ob die Preise nicht massiv gesenkt werden könnten, wenn auf die unnötigen CE-Kennzeichen verzichtet werden könnte. Hier macht es ja scheinbar ca. € 25,– aus…

Egal. Ich will keinen anderen Akku, ich will den, den ich bestellt habe. Also antworte ich:

Sehr geehrte Damen und Herren,

inwieweit sind Erklärungen der B GmbH & Co. KG bindend für die 
A GmbH, mit der ich einen Vertrag über die Lieferung eines "Original Akku für Canon Typ NB-60LH Original..." geschlossen habe?

Ihre Behauptung, ich hätte den richtigen Akku erhalten, ist sachlich und objektiv falsch. Ich habe einen Original-Akku der Fa. Canon vom Typ NB-6LH bestellt und etwas erhalten, was nicht die Eigenschaften eines Original-Akku der Fa. Canon hat: Original-Akkus sehen nicht nur so aus, wie auf dem von Ihnen verwendeten Foto, sondern tragen auf der Verpackung auch einen Hologramm-Aufkleber der Fa. Canon. Ihre Aufwände zur Pflege etwaiger Fotos oder Texte interessieren mich im Übrigen nicht.

Bitte schlagen Sie auch nochmal die Bedeutung des Wortes "identisch" nach: Es bedeutet gerade eben nicht "abweichend".

Sie schulden mir die Lieferung eines originalen Akkus von Canon, weil die Fa. A einen entsprechenden Vertrag geschlossen hat. Ich erwarte diese Lieferung bis spätestens zum 14.9. und die Rücknahme der Falschlieferung ohne weitere Kosten für mich. Sollten Sie dies nicht einhalten, fordere ich von Ihnen bei Rückabwicklung des Vertrages Schadenersatz entsprechend einer Ersatzbeschaffung eines Canon-Original-Akkus.

Mit freundlichen Grüßen,
Ludger Hötting

Ich denke, damit ist mein Standpunkt klar… Der Standpunkt Herrn R.M. von der Firma B ist auch klar:

Hallo,

die B GmbH ist Logistikpartner der A GmbH. Das ist aber auch unerheblich für den Sachverhalt. Der Standpunkt wurde bereits erläutert und bedarf keiner weiteren Erläuterung. Auch Ihre Möglichkeiten wurden aufgezeigt.

Angebot zur Güte. Wir erstatten Ihnen den Rückversand i.H. von 1,45 Euro, denn damit ist der Akku rücksendefähig.

Damit sollten wir es bewenden lassen.

Mit freundlichen Grüßen / Kind regards
R.M.

Nun finde ich nicht, dass die Gepflogenheiten von Schuldgeschäften auf Gegenseitigkeit (Geld gegen Ware) etwas mit Güte zu tun haben. Die AGB der Post scheinen den Herrn auch nicht zu interessieren… Ich will meinen Akku!

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr M.,

ich stelle also fest, dass sie nicht gewillt sind, die geschuldete Sache (einen Original-Akku NB-06LH des Herstellers Canon) zu liefern.

Damit sind Sie gemäß §281 (2) BGB zum Schadenersatz verpflichtet. Unter der Voraussetzung, dass Sie einer Rückabwicklung zustimmen, werde ich keinen Schadensersatz geltend machen.

Daher schlage ich vor, dass Sie mein bereits gezahltes Geld inklusive der Versandkosten zurückerstatten. Weiterhin bitte ich Sie um Zusendung eines frei gemachten Rückumschlages, so dass ich ohne weitere Kosten für mich von der Aufbewahrung der Falschlieferung entlastet werde. Ich kann den Akku 
auch, wenn Sie es wünschen, unfrei an Sie zurücksenden.

Sobald mein Geld gutgeschrieben worden ist, werde ich die Ware zurücksenden.

Sie werden verstehen, dass ich aufgrund Ihres Geschäftsverständnisses nicht bereit bin, mit Portokosten in Vorleistung zu treten.

Mit freundlichen Grüßen,
Ludger Hötting

Soweit meine Güte. Ich sehe das Vertrauensverhältnis hier massiv gestört. Zu Recht, wie man sieht.

Hallo,

leider haben wir nicht so viel Zeit wie Sie. Natürlich geht es eben nicht so, wie sie es schreiben. Wenn wir erklären, wir erstatten das Rücksendeporto, dann machen wir es auch. Was unterstellen Sie uns denn ??

Der Ablauf ist bekannt. Bitte keine weiteren emails mehr.

Für Sie ist es zukünftig sinnvoller, nie wieder online zu bestellen, es sei denn, es bereitet ihnen Spass - da nichts anderes zu tun - an allem etwas auszusetzen. Leider gibt es sehr viele dieser "Käufer" im online-Handel.

E N D E 

Mit freundlichen Grüßen / Kind regards

R.M.

Ich denke nur, „Geisterfahrer? Nicht Einer… Hunderte!!!“ – Aber der Knabe scheint die Geduld zu verlieren. Da ich aber schon Mal geglaubt hatte, die Jungs würden mir einen Original-Akku schicken und enttäuscht wurde: Warum sollte ich ihm jetzt glauben? Insbesondere da seine Mail eine faustdicke Lüge enthält: Die Grüße sind entweder gar nicht vorhanden oder nicht freundlich…

Grundsätzlich bin ich ja nun bereit, das Ding zurückzuschicken, das geht aber nicht, da Amazon mir mitteilt, dass „aus Sicherheitsgründen … Artikel, für deren Betrieb Batterien oder leicht entflammbare Flüssigkeiten oder Gase benutzt werden oder die als Gefahrengut klassifiziert sind, nicht an Amazon.de zurückgegeben werden [können]“. Was tun? Fragen darf ich ja auch nicht mehr… Ach egal:

Sehr geehrter Herr M.,

es gibt keinen Grund, unhöflich zu werden. Bitte glauben Sie mir, auch ich habe nicht ewig Zeit, deswegen bestelle ich ja im Internet. Ich erwarte aber auch, dass mir das geliefert wird, was ich bestellt habe.

Leider muss ich sie aber nochmals belästigen, da ich die Ware nicht 
zurücksenden kann, ohne mit Ihnen Kontakt aufzunehmen, da eine Rücksendung über Amazon - siehe beigefügten Screenshot - nicht möglich ist. Daher ist der Ablauf eben nicht bekannt.

Daher bitte ich Sie um ein wenig mehr Ihrer unschätzbaren Zeit und bitte Sie, mir mitzuteilen, wohin ich die Ware versenden soll: An Sie oder an A, deren Logistik-Partner Sie sind?

Wegen der Nachweisbarkeit der Rücklieferung werde ich weiterhin nicht mit 1,45 € für's Porto auskommen.

Ihren wohl gemeinten Rat, nicht mehr im Internet einzukaufen, werde ich beherzigen, zumindest insoweit es Sie und die mit Ihnen verbundenen Unternehmen angeht.

Ich darf Ihnen aber auch den Rat geben, dass es für Kaufleute im 
Allgemeinen kein bewährtes Vorgehen ist, den Kunden bei einer 
Unregelmäßigkeit und Mängelrüge zu beschimpfen.

Vielen Dank für diesen kurzweiligen Vormittag.

Mit freundlichen Grüßen,
Ludger Hötting

Jetzt bin ich gespannt. Ein paar Minuten später:

NACHTRAG:

wir haben eben eine neue Lieferung bekommen, die eben diese Akkus auch beinhaltet.

Wir schicken einen neuen Akku zu und legen eine 1,45 Euro -Briefmarke für den kostenfreien Rückversand bei. Der Rücksendung bitte Rechnungskopie beilegen.
Adresse der Rücksendung liegt der neuen Sendung bei.

Mit freundlichen Grüßen / Kind regards

R.M.

…und:

bitte letzte email lesen - Ware ist raus

Mit freundlichen Grüßen / Kind regards

R.M.

Man darf gespannt sein. Unter normalen Umständen würde ich ja jetzt „Danke“ sagen, aber ich darf ja keine Mails mehr schicken… 🙁

Auch die Antwort, die die Fa. A oder B oder wer auch immer an Amazon sendet, weil ich dort mal nachgefragt habe, wie die konkret in diesem Fall mit Produktpiraterie umgehen, werde ich wohl höchstens indirekt erfahren. Und ob ich bei Canon nachfrage, hängt davon ab, was ich in den nächsten Tagen in meinem Briefkasten vorfinde…

Über Ludger Hötting

früher mal Orgelbauer und heute IT-Sicherheitsbeauftragter bei einem großen Rechenzentrumsbetreiber. Interessiert an A-cappella-, moderner Akkordeon- und alter Orgel-Musik. Cineast. Passionierter UNIXer und MAC-User. Aufreger: Lokalpolitik und Bigotterie

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