... zum Motorradfahren ist die Kleidung, die ich auf diesem Photo trage. Der Hut ist zweifellos kleidsam, schützt den Kopf aber weder bei einem Umfall noch bei einem Unfall. Von der Sonnenbrille gehen auch eher zusätzliche Gefahren aus. Mit der Zigarette richte ich mich nicht nur auf die Dauer selbst zu Grunde, nein, sie wird zweifellos auch zu üblen Verbrennungen führen, falls sie das Polyesterhemd, das ich gerade trage, in Brand setzt. Und mit Sandalen in Jeans Motorradfahren, das ist wirklich ein No Go! Keine Handschuhe! Oh Gott! Der Mann auf dem Bild ist schon tot, bevor er losgefahren ist.
 
Das ist zumindest die Meinung vieler, die ein solches Bild sehen. Und sie haben auch recht. Unzweifelhaft. Die Frage ist nur, was hat der Mann auf dem Bild vor? Will er überhaupt fahren? Wenn ja, über welche Strecke und wie weit?
 
Soll er die volle Lederkluft anziehen, wenn er das Motorrad nur auf dem Hof rangieren will? Darf er von seiner Garage zu seinem Haus fahren? Durch eine 30er Zone? Darf er auf 50 km/h beschleunigen?
 
Was ist mit dem TÜV-Prüfer, der mit grauem Kittel und Helm eine Bremsprobe rund ums Prüfgebäude macht? Nur mit Lederkombi? Oder Textilkombi? Die sind nicht so sicher wie Leder!
 
Meine Güte, warum muss eigentlich jeder, der zweimal im Jahr sein Motorrad aus der Garage holt, einem Alltagsfahrer sagen, was er anzuziehen hat, wenn er 1 km weit fährt, um etwas zu transportieren, das er mit Fahrrad oder zu Fuß nicht transportieren kann oder will? Soll ich etwa in Leder zu meinem Auto fahren, um es für den Transport zu holen? Und selber ist man ja auch so blöd: Man verteidigt sich und sagt: „Ist nur ein Kilometer.“ -  „Der XY ist auch nur 800 Meter durch die Weinberge gefahren, hat sich auf die Fresse gelegt und war 2 Monate im Krankenhaus. Der hatte nur Jeans an. In Kombi wär‘ nix passiert“ - Jaja, ich fahr aber nicht durch den Weinberg. Nicht mal über Schotter. Egal. Helm zu und ab dafür!
 
Der andere XY ist hat sich nach 16 Jahren Motorradabstinenz - er „durfte“ nicht, geheiratet, Kinder... das übliche, Mopped fürs Kinderzimmer verkauft - eine neue Maschine gekauft. 180 PS, weil er hat ja den Führerschein schon 20 Jahre. Ist ja ein erfahrener Fahrer. Hat sich lang gelegt, als er seiner Familie, Frau, Sohn, Tochter gucken zu, seine Errungenschaft vorführen wollte. Wende am Wendehammer der verkehrsberuhigten Sackgasse, in der er wohnte. Erst zu schnell, weil Leistung unterschätzt, dann überbremst, Highsider. Gegen Laternenmast geknallt, Mopped in ihn rein. Querschnittgelähmt. 5. Halswirbel abwärts.
 
Er hatte Helm und Lederkombi an.
 
Interessant, wie das Schema sich quasi selbst bewahrheitet: Nicht mehr Mopped fahren, weil zu gefährlich. Man will ja die junge Familie nicht gefährden. Wenn das Risiko dann kalkulierbar scheint, - Kinder aus dem Gröbsten raus! - kann man‘s wieder anfangen. Ich kann und will nicht beurteilen, ob die Rechnung aufgegangen ist. Sicher ist nur, dass die Frau wieder mit dem Windelnwechseln anfangen musste.
 
Was ich damit sagen will: Überleg‘, was du tust und urteile nicht über andere. Du weißt nicht, was und ob sie denken.
 
Übrigens: Das Motorrad oben hatte zum Zeitpunkt des Photos weder funktionsfähige Bremsen noch funktionierendes Licht. Die Reifen waren nicht nur nicht aufgepumpt, sondern auch 20 Jahre alt und der Seitenständer ist nicht nur ausgeklappt, nein, der klappt auch nicht automatisch rein. Und die Hupe ging auch nicht! Das hatte sie übrigens mit dem Motor gemein.
 
So gerade noch dem Deibel von der Schippe gegangen!
23. August 2009
Zweifellos ungeeignet...
Wohlmeinende Zeitgenossen